Robo-Advisors für institutionelle Investoren und Unternehmen - Digitalisierung der klassischen Vermögensverwaltung

 

Die Digitalisierung wirbelt auch den Finanzbereich durcheinander. Sicher geglaubte Geschäftsbereiche verändern sich deutlich. Ein gutes Beispiel sind die Online-Vermögensverwalter, sogenannte Robo-Advisors. Diese werden bisher in erster Linie von Privatkunden genutzt, sodass sich die spannende Frage stellt: Können digitale Vermögensverwaltungen auch für institutionelle Investoren und Unternehmen eine echte Alternative sein?

 

Was sind Robo-Advisors eigentlich?

 

In der Regel handelt es sich bei Robo-Advisors um Online-Vermögensverwalter, wobei es auch einige Anbieter gibt, die nur als Finanzanlagenvermittler auftreten. Das Konzept der digitalen Vermögensverwalter besteht darin, eine Alternative zu den klassischen Vermögensverwaltungen anzubieten, die teilweise schon Jahrzehnte am Markt existieren. Dabei grenzen sich die Robo-Advisors bewusst in einigen Punkten von den etablierten Vermögensverwaltern und Family Offices vor Ort ab, nämlich durch:

 

  • Deutlich geringere Mindestanlagesummen
  • Geringere Gebühren
  • Gesamte Nutzung und Abwicklungsprozesse digital / online

 

Aufgrund dieser Eigenschaften sprechen die Online-Vermögensverwalter bisher vor allem Kleinanleger und Investoren mit mittleren Vermögen an, die bei klassischen Vermögensverwaltern aufgrund eines zu geringen Vermögens keinen „Platz“ finden. Es gibt jedoch eine zweite interessante Zielgruppe, die viele Robo-Advisors bisher noch nicht aktiv ansprechen bzw. sie mit ihrem Angebot nicht erreichen: institutionelle Investoren und Unternehmen. 

 

Günstige Konditionen als Argument gegenüber institutionellen Investoren und Unternehmen

 

Die oft geringe Mindestanlagesumme ist für institutionelle Investoren und Unternehmen natürlich kein schlagendes Argument, sich für einen Robo-Advisor und gegen die klassische VV zu entscheiden, da meistens genügend Kapital im höheren sechs- bis achtstelligen Bereich vorhanden ist. Was jedoch ein echtes Argument sein kann: die (deutlich) geringeren Gebühren! Bei einer klassischen Vermögensverwaltung sind Kosten für den Kunden von über zwei Prozent keine Seltenheit, wenn man alle Gebühren zusammenrechnet. Diese können aus folgenden Elementen bestehen:

 

  • Transaktionsgebühren
  • Managementgebühren
  • Fondskosten
  • Betreuungskosten
  • Erfolgsbeteiligungen (Performance-Fee)
  • Positionsgebühr für Bestände

 

Bei vielen Robo-Advisors sind die Kosten für den Kunden nicht nur geringer, sondern auch deutlich einfacher gestaltet. So berechnen mittlerweile zahlreiche Online-Vermögensverwalter eine sogenannte All-in-Fee. Das bedeutet, dass sämtliche Leistungen in der dem Kunden in Rechnung gestellten Gebühr enthalten sind. Lediglich die (externen) Fondskosten kommen mitunter noch hinzu. In der Summe bewegen sich die Kosten bei den Robo-Advisors im Durchschnitt zwischen 0,8 und 1,3 Prozent und sind damit deutlich niedriger als klassische Vermögensverwalter.

 

Umso größer das Anlagevolumen ist, desto mehr Einsparpotenzial besteht naturgemäß. Und genau deshalb sind Robo-Advisors eigentlich für Unternehmen und institutionelle Investoren mit hohen Vermögen sehr interessant. Beträgt die Kostendifferenz zwischen klassischem und digitalem Vermögensverwalter beispielsweise 1 Prozent, lassen sich bei einem Vermögen von zwei Millionen Euro jährlich 20.000 Euro an Kosten einsparen. Bei institutionellen Investoren sind die Beträge meist sogar noch höher – und damit auch das Einsparpotenzial.

 

Digital, flexibel und sicher: Weitere Vorteile der digitalen Vermögensverwalter

 

Viele institutionelle Investoren und Unternehmen haben bisher ihre Bedenken, ihr Vermögen einem Anbieter anzuvertrauen, der mitunter erst zwei oder drei Jahre am Markt existiert. Dies trifft auf die meisten Robo-Advisors zu. Dennoch sind insbesondere die Sicherheitsbedenken nicht haltbar, denn der Online-Vermögensverwalter selbst hat keinen Zugriff auf das Vermögen des Kunden. Dieses wird nämlich bei einem Kreditinstitut verwahrt, das Kooperationspartner des Robo-Advisors ist bzw. als depotführende Bank fungiert. Sollte der digitale Vermögensverwalter also Insolvenz anmelden müssen, sind die Vermögen in Form von Aktien, Fonds oder anderen Werten geschützt. Die gilt selbstverständlich auch für Guthaben, die unter die Einlagensicherung fallen.

 

Die Flexibilität und die Tatsache, dass die gesamte Nutzung des Angebotes online erfolgen kann, sind zwei weitere Pluspunkte der digitalen Vermögensverwalter. Dies erkennen übrigens auch immer mehr klassische Vermögensverwaltungen, die mittlerweile zunehmend ihren eigenen Robo-Advisor gründen. Zudem existieren inzwischen mehrere Kooperationen zwischen Banken und Online-Vermögensverwaltern, was ebenfalls ein Zeichen dafür ist, dass es sich bei den Anbietern nicht nur um einen vorübergehenden Trend handelt.

 

Sind Online-Vermögensverwalter für alle Unternehmen und institutionellen Anleger geeignet?

 

Kunden sind mit ihren Zielen und Ansprüchen sehr individuell. Daher sind natürlich Robo-Advisors keineswegs für alle Unternehmen und institutionellen Investoren, die sich eine Verwaltung ihres Vermögens wünschen, geeignet. Wer zum Beispiel eine Betreuung in der Form haben möchte, als dass bei Bedarf persönlich mit dem Vermögensverwalter gesprochen werden kann, der sollte keinen Robo-Advisor nutzen. Ferner besteht ein Kritikpunkt häufiger darin, dass die Online-Vermögensverwalter zu wenig individuelle Portfolios anbieten. Ob dies natürlich bei einer klassischen Vermögensverwaltung im Vergleich immer „besser“ ist, sei dahingestellt.

 

Fazit: Robo-Advisor für institutionelle Investoren und Unternehmen durchaus eine Alternative

 

Als Fazit lässt sich festhalten, dass Robo-Advisors nicht nur für Privatanleger Vorteile bieten, sondern durchaus auch für institutionelle Investoren und Unternehmen eine Alternative sein können. Besonders die mögliche Kostenersparnis gegenüber den klassischen Vermögensverwaltern ist ein schlagendes Argument. Grundsätzlich sind die Online-Vermögensverwalter nicht weniger sicher als die Vermögensverwaltungen der Banken. Gerade für mittelständische Unternehmen eröffnen die Robo-Advisors oftmals erst die Chance, eine VV zu nutzen, weil die Mindestanlagesummen bei den klassischen Anbietern oft einfach zu hoch sind. Ein Nachteil der Online-Vermögensverwalter hingegen ist die fehlende Möglichkeit, persönlich mit einem Berater zu sprechen.