Digitalisierung in der Immobilienbranche mit deutlichem Nachholbedarf

Während die Digitalisierung in einigen Branchen bereits weit fortgeschritten ist, hinkt die Immobilienbranche noch hinterher. Dies stellt allerdings auch eine Chance für sogenannte PropTechs dar, die aufgrund des geringen Digitalisierungsgrades verbunden mit dem deutlichen Wachstum der Immobilienbranche vor allem für Venture Capital-Fonds interessant sind. Dem Thema hat sich das Consulting-Unternehmen Deloitte inklusive einer Unternehmens-Umfrage kürzlich gewidmet, deren wichtigste Daten und Fakten Sie im Folgenden aufgeführt und analysiert finden.

Immobilienbranche ist bei Digitalisierung Schlusslicht

Im Vergleich zu den meisten anderen Branchen, wie zum Beispiel im Finanz- und Versicherungswesen sowie in der Metall- und Prozessindustrie, landet die Immobilienbranche im Bereich Digitalisierung auf den letzten Plätzen. Dies betrifft im Grunde alle Bereiche, von der Beziehung zum Kunden, über die Produktivität im Unternehmen, digitale Angebote und Geschäftsfelder bis hin zur IT- und Informationssicherheit sowie das Thema Datenschutz.

Diese Situation führt unter anderem zu einem deutlich erhöhten Druck für Real Estate Investment Manager, die Digitalisierung voranzutreiben. Während der Immobilienmarkt sowohl durch die anhaltend niedrigen Zinsen als auch durch Investitionsdruck überhitzt ist, besteht ein Trend im Investment Management in der zunehmenden Automatisierung von Geschäftsprozessen. Dies führt dazu, dass einerseits die Kundenanforderungen mehr in den Fokus rücken müssen, denn nur so kann eine passende Digitalisierungsstrategie entwickelt werden. Zum anderen hilft die Digitalisierung dabei, durch eine bessere Effizienz Kosten zu reduzieren.

Bestehende Geschäftsmodelle durch Digitalisierung verbessern

Mit der Digitalisierung haben Unternehmen die Chance, bestehende Geschäftsmodelle und Prozesse zu verbessern. Demgegenüber soll die Digitalisierung nicht unbedingt dazu führen, in neue Geschäftsfelder aufzubrechen. Stattdessen stehen folgende Maßnahmen und Auswirkungen im Vordergrund:

  • Mehrwert für Kunden schaffen
  • Effektivere Prozesse durch Automatisierung
  • Standardisierte Tätigkeiten werden ersetzt durch digitalisierte Abläufe
  • Stärkung des Unternehmens durch optimierte Prozesse

Aktueller Stand der Immobilienbranche

Trotzdem die Immobilienbranche bei der Digitalisierung bisher im Rückstand ist, schreitet diese dennoch stetig voran. Immerhin verfügt mittlerweile rund ein Drittel der befragten Unternehmen bereits über digitalisierte Prozesse sowie Geschäftsmodelle. Weitere über 50 Prozent befinden sich in der Planungs- und am Beginn der Umsetzungsphase. Vorreiter bei Planung und Umsetzung der Digitalisierung sind vor allem Dienstleister, die einen Digitalisierungsansatz verfolgen, wobei über 30 Prozent diesen bereits umgesetzt haben.

Verschiedene Technologien kommen zum Einsatz

Im Rahmen der Digitalisierung werden verschiedene Technologien eingesetzt, die Prozessautomatisierung und intelligente Datenaufbereitung zum Ziel haben, nämlich:

  • RPA
  • Blockchain
  • Data Analytics
  • Cognitive Intelligence

Mit einem Anteil von 47 Prozent ist dabei Data Analytics die momentan dominierende Technologie bei den Umfrageteilnehmern. Aber auch die Blockchain-Technologie wird aufgrund ihrer Vorteile wie mehr Sicherheit, höhere Geschwindigkeit und Kostensenkung immer öfter eingesetzt und gilt in der Immobilienbranche als eine Art Geheimfavorit. Demgegenüber wird das große Potenzial, das Cognitive Intelligence bietet, bisher weitestgehend nicht beachtet. Der Anteil im Bereich der eingesetzten oder geplanten Technologie liegt hier lediglich zwischen 12 und 19 Prozent.

Was sind die Treiber zur Digitalisierung?

Für fast Dreiviertel der Umfrageteilnehmer stehen drei Ziele im Fokus, die durch die Digitalisierung erreicht werden sollten, nämlich:

  • Bestehende Prozesse verbessern
  • Datenverfügbarkeit und -transparenz
  • Zeit- und Kostenersparnis

Weitere Digitalisierungstreiber sind digitale Wettbewerber, Erweiterung von Geschäftsfeldern und die Präsenz des Themas Digitalisierung. Unterschiedlich ist dabei, wer jeweils im Unternehmen für die Umsetzung der Digitalisierung zuständig ist. Meistens ist dies noch der CEO, jedoch ist das Thema mittlerweile so wichtig, dass rund 2/3 der befragten Unternehmen eine spezielle Einheit dafür einrichten.

Strategische Allianzen zur Umsetzung der Digitalisierung

Bei der strategischen Umsetzung der Digitalisierung stehen bei den weitaus meisten Dienstleistern strategische Allianzen im Fokus, die entweder bereits vorhanden oder in Planung sind. Dabei haben vertikale Allianzen mit 89 Prozent gegenüber horizontalen Allianzen (direkte Wettbewerber) eindeutig die Oberhand. Die größte Skepsis bezüglich Allianzen generell herrscht mit über Zweidritteln bei den institutionellen Anlegern.

Fazit zur Digitalisierung in der Immobilienbranche

Als Fazit ist festzuhalten, dass Immobilien-Unternehmen ihre Anstrengungen im Bereich Digitalisierung noch deutlich erhöhen müssen. Zudem brauchen sie dringend eine Digitalisierungsstrategie, die Gegenwart und Zukunft aufeinander abstimmt. Weiterhin sollten Unternehmen die Blockchain-Technologie verstärkt einsetzen und die eigene Investitionsbereitschaft kritisch hinterfragen.

Bildquelle und Erhebung der Daten: Deloitte Consulting GmbH